{"id":1470,"date":"2022-09-20T23:37:08","date_gmt":"2022-09-20T21:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=1470"},"modified":"2022-09-20T23:40:00","modified_gmt":"2022-09-20T21:40:00","slug":"erklaerung-der-lag-hessen-zur-ausstellung-aufgeklaert-statt-autonom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=1470","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung der LAG-Hessen  zur Ausstellung &#8222;Aufgekl\u00e4rt statt Autonom&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen in Hessen (LAG Hessen) ist besorgt \u00fcber den zunehmenden Antisemitismus, Antiziganismus, Ausgrenzung und die Zunahme an rechter Gewalt. Gerade auch durch die sog. Querdenkerszene werden rechte Verschw\u00f6rungstheorien und Gewaltphantasien gest\u00e4rkt und unsere demokratische Grundordnung bedroht. Besonders in Hessen ist die extreme Rechte aktiv und gewaltt\u00e4tig: der Mord des NSU in Kassel an Halit Yozgat, der Mord an dem Kasseler Regierungspr\u00e4sidenten Walter L\u00fcbcke und im letzten Jahr die Morde in Hanau. Seit fast 3 Jahren bekommen die Anw\u00e4lten Seda Bassey-Yildiz und andere Morddrohungen, unterzeichnet mit NSU 2.0. Rechte sitzen mit der AfD in den Parlamenten.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist besorgniserregend, insbesondere da die Aufkl\u00e4rung zu den rechten Netzwerken zufriedenstellend ist. Zu schnell wird von Einzelt\u00e4tern gesprochen<!--more--><\/p>\n<p>Unverst\u00e4ndlich ist f\u00fcr uns in diesem Zusammenhang, dass eine Ausstellung mit dem Titel &#8222;Aufgekl\u00e4rt statt Autonom&#8220;<sup>1<\/sup> f\u00fcr die hessischen Schulen erstellt und Ende 2019 an die Schulen verbreitet wurde. Diese Ausstellung polemisiert einseitig gegen links, indoktriniert politisch und redet rechte Gewalt klein.<sup>2<\/sup> Zu Recht interveniert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gegen diese Ausstellung. In dem Gutachten von Christoph Bauer und Dr. Martina Tschirner Seminar\/Institut f\u00fcr Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt) wird deutlich, dass die Ausstellung:<\/p>\n<ul>\n<li>nicht den Anspruch von Wissenschaftlichkeit erf\u00fcllt. So werden z.B. keine Quellen genannt oder Begriffe definiert<\/li>\n<li>sich bei der Definition von Extremismus und beim Zahlenmaterial sich nur aus den Quellen des Verfassungsschutzes st\u00fctzt,<\/li>\n<li>einseitig, plakativ und suggestiv ist. Damit widerspricht sie allen p\u00e4dagogischen Grunds\u00e4tzen, besonders dem Beutelsbacher Konsens,<\/li>\n<li>junge Menschen politisch manipuliert und Engagement kriminalisiert wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beide Autor*innen, die sich im \u00fcbrigen im Vorstand des Landesverbands Hessen der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Politische Bildung e.V. (DVPB) engagieren konstatieren: Diese Ausstellung ist inhaltlich und p\u00e4dagogisch eine Katastrophe, wie das von der Lehrergewerkschaft GEW in Auftrag gegebene Gutachten deutlich macht.<sup>3 <\/sup><\/p>\n<hr \/>\n<p><sup>1<\/sup> https:\/\/aufgekl\u00e4rt-statt-autonom.de <br \/><sup>2<\/sup>\u00a0https:\/\/www.lehrer-online.de\/inhalte\/dossiers\/geschichte-und-politikgesellschaftswissenschaften\/ aufgeklaert-statt-autonom-projektinformationen\/ <br \/><sup>3<\/sup> https:\/\/www.gewhessen. de\/fileadmin\/user_upload\/bildung\/themen\/pol_bildung\/200204_gutachten_auf geklaert_statt_autonom_web.pdf<\/p>\n<p>Verantwortet wird die Ausstellung vor allem von Dr. Alexander Jehn, Direktor der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, und dem Lobbyverband Eduversum GmbH, dessen Pr\u00e4sident Dr. Jehn ist, dem Hessischen Ministerium des Innern und f\u00fcr Sport und der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e. V. .<\/p>\n<p>Unsere Erfahrungen vor Ort sind\u2026.<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>F\u00fcr NS-Gedenkst\u00e4tten ist im Gegensatz zu dieser Ausstellung der Weg in die Schulen bedeutend schwieriger. Mit den vermuteten Mitteln, die f\u00fcr dieses Projekt verwendet worden sind, w\u00fcrden wir gerne als LAG Hessen arbeiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies umfasst auch Themen wie<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0NS-Zwangsarbeit (Rassismus)<\/li>\n<li>\u00a0Widerstand und Verfolgung<\/li>\n<li>\u00a0Euthanasie<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf der aktuellen Homepage der HLZ tauchen als Erinnerungsorte lediglich Breitenau und Hadamar auf, alle anderen Orte der Erinnerung sind verschwunden. Die hessische Erinnerungskultur zeichnet sich dagegen insbesondere durch ihre Pluralit\u00e4t und durch ihr zivilgesellschaftliches Engagement aus. Hierzu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0Kleine Erinnerungsinitiativen z.B. zu j\u00fcdischem Leben<\/li>\n<li>\u00a0Widerstand gegen das NS-Regime<\/li>\n<li>\u00a0Zwangsarbeit und Konzentrationslager<\/li>\n<li>\u00a0Von zivilgesellschaftlichem Engagement gegr\u00fcndete und betriebene Gedenkst\u00e4tten und Initiativen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir w\u00fcnschen uns, dass diese nicht nur auf der Homepage der HLZ, sondern auch in einer institutionellen F\u00f6rderung wahrgenommen und wertgesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Hierzu geh\u00f6rt \u2013 neben der Aufkl\u00e4rung des fragw\u00fcrdigen Ausstellungsprojekts eine klare Stellungnahme. Die Zusammenarbeit der LAG Hessen mit der HLZ wird dadurch erheblich besch\u00e4digt und die weitere Kooperation erschwert und f\u00fchrt zu Fragen nach der Ausrichtung der F\u00f6rderung hessischer Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen.<\/p>\n<p>Unter politischer Bildung verstehen wir als Tr\u00e4ger der Erinnerungsarbeit in Hessen etwas ganz anderes. Es ist nicht damit getan, dass die Ausstellung nicht mehr auf der Seite der Regierung zu finden ist. Es muss aufgearbeitet werden, wie es zu der Ausstellung kommen konnte. Das muss Konsequenzen haben.<\/p>\n<p>Gedenken hat immer auch etwas mit der Gegenwart zu tun, es ist die Aufgabe aller Demokraten, jeder Form von Ausgrenzung, Diskriminierung, Antisemitismus, Antiziganismus und rechter Gewalt entschieden entgegenzutreten.<\/p>\n<p><em>(Verabschiedet auf der Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4ttenkonferenz in Hessen am 30.9.2021)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[8],"class_list":{"0":"entry","1":"post","2":"publish","3":"author-admin","4":"has-more-link","5":"post-1470","7":"format-standard","8":"category-aktuelles","9":"post_tag-aufgeklaet"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1470"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1470\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1476,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1470\/revisions\/1476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}