{"id":1730,"date":"2023-08-04T01:41:32","date_gmt":"2023-08-03T23:41:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=1730"},"modified":"2023-08-04T02:29:09","modified_gmt":"2023-08-04T00:29:09","slug":"rueckblick-podiumsdiskussion-genug-erinnert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=1730","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Podiumsdiskussion Genug erinnert?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Retrospektive zur Podiumsdiskussion \u201eGenug erinnert? Perspektiven der Erinnerungskultur in Hessen\u201c<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1732 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"843\" height=\"632\" srcset=\"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026-160x120.jpg 160w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_026.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 843px) 100vw, 843px\" \/><\/p>\n<p><strong>Am Donnerstag, den 22. Juni 2023<\/strong>, folgten Vertreterinnen und Vertreter der Landtagsfraktionen der Gr\u00fcnen, SPD, FDP, Linke und CDU der Einladung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen (LAG Hessen) in das <strong>Gallus Theater Frankfurt am Main<\/strong>. Mit Dr. Ludger Fittkau, Deutschlandfunk, kamen sie ins Gespr\u00e4ch zu Fragen der Zukunft der Erinnerungskultur in Hessen. Dr. Ann Katrin D\u00fcben, Leiterin der Gedenkst\u00e4tte Breitenau, und Dr. Thomas Lutz, Leiter des Gedenkst\u00e4ttenreferats bei Topographie des Terrors in Berlin bis Juni 2023, gaben Einblicke in ihre Arbeit stellvertretend f\u00fcr die Mitglieder der LAG Hessen.<\/p>\n<p>In seinem Impulsvortrag umriss Dr. Thomas Lutz das Feld.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1736 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024-120x80.jpg 120w, https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/wp-content\/uploads\/Podium_2023-07-22_024.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Er stellte nicht nur die Entwicklung des Gedenkens und der Erinnerungskultur in der BRD im Allgemeinen, sondern auch die sich ver\u00e4ndernde Situation in Hessen seit der 1980er Jahren dar. Lutz betonte vor allem die Herausforderungen, die sich f\u00fcr rein ehrenamtliche Initiativen durch den Generationenwechsel ergeben. Dabei verwies er auf die Bedeutung der LAGs als Netzwerke. So sei zum Beispiel in Baden-W\u00fcrttemberg ein Modell entstanden, das Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen in einer Region clustert und mithilfe einer Verbundstelle dort unterst\u00fctzt, wo Bedarfe bestehen.<\/p>\n<p><strong>Pluralistische Erinnerungskultur in Hessen erhalten<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Impulsvortrag waren die Mitglieder der Landtagsfraktionen eingeladen, ihre Erfahrungen und Perspektiven zur Gedenkarbeit auf dem Podium mit dem Publikum zu teilen. Als Vertreterin der Landtagsfraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen war Martina Feldmayer zu Gast. Die SPD vertrat Christoph Degen, der ebenfalls als Vorsitzender des Kuratoriums der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung in der Staatskanzlei fungierte. Au\u00dferdem nahmen Jan Schalauske f\u00fcr die Fraktion DIE LINKE, Tobias Utter f\u00fcr die CDU und Dr. Stefan Naas, FDP, an der Diskussion teil. Als Vertreterin der LAG Hessen berichtete Dr. Ann Katrin D\u00fcben aus der Praxis von den steigenden Anforderungen, die knappen Ressourcen gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Bereits nach den ersten Statements wurde klar, dass sich insbesondere die FDP f\u00fcr eine Zentralisierung der Gedenklandschaft in Hessen ausspricht: So verwies Dr. Stefan Naas wiederholt auf die Wichtigkeit der Arbeit der Gedenkst\u00e4tte Hadamar als gr\u00f6\u00dfte und vom Land finanziell gef\u00f6rderte Gedenkst\u00e4tte. Dr. Naas forderte, dass Hadamar eine zentrale Rolle in Hessen einnehmen solle, da an diesem Ort die NS-Zeit und ihre Verbrechen umf\u00e4nglich und professionell erkl\u00e4rt und vermittelt w\u00fcrden*. Ohne die Bedeutung Hadamars in Frage zu stellen stellte Martina Feldmayer dieser Forderung die Wichtigkeit der Arbeit kleiner Akteure vor Ort am Beispiel der Erinnerungsinitiative Kalmenhof entgegen. Jan Schalauske brachte die unter anderem durch den Direktor der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung vertretene Einsch\u00e4tzung ins Gespr\u00e4ch ein, dass Hessen mehr durch Links- als durch Rechtsextremismus gef\u00e4hrdet sei. Schalauske widersprach dieser Einsch\u00e4tzung und wies auf die Bedeutung der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen f\u00fcr ein breit verankertes, freiheitlich-demokratisches Geschichtsbewusstsein hin. Christoph Degen, Tobias Utter, Martina Feldmayer und Jan Schalauske waren sich einig, dass die bereits durch das Land Hessen gef\u00f6rderten Gedenkst\u00e4tten Hadamar, und Breitenau, ebenso wie das DIZ Stadtallendorf und der an diesem Abend gastgebende Geschichtsort Adlerwerke \u00fcberaus wichtige Arbeit leisten. Moderator Ludger Fittkau fragte das Podium diesen Punkt aufgreifend, wie es denn dazu kommen konnte, dass trotz der immer wieder beschworenen Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsorten ein Ungleichgewicht in der Finanzierung durch das Land festzustellen sei. W\u00e4hrend die Gedenkst\u00e4tten zur Geschichte der DDR zunehmende Posten im Haushalt erhielten, w\u00fcrden die steigenden Anforderungen an die Gedenkst\u00e4tten zur NS-Zeit bei der Finanzierung und Einstellung Haushaltsmitteln kaum ber\u00fccksichtigt. Die auf dem Podium f\u00fcr die NS-Gedenkst\u00e4tten herausgestellten Aufgaben sollten sich doch durch eine angemessene finanzielle Unterst\u00fctzung abbilden lassen. Tobias Utter stellte ein Konzeptpapier der CDU in Aussicht, in dem die Partei ihre Pl\u00e4ne vorstelle, wie sie in Zukunft eine starke Erinnerungskultur in Hessen f\u00f6rdern m\u00f6chte. Christoph Degen verwies zum einen auf die Forderung der SPD nach einer Million zur F\u00f6rderung kleinerer und mittelgro\u00dfer Gedenkst\u00e4tten in den vergangenen Haushaltsverhandlungen, zum anderen auf die F\u00f6rderung von Gedenkst\u00e4ttenfahrten f\u00fcr Schulklassen durch die HLZ. Ann Katrin D\u00fcben entgegnete, dass diese F\u00f6rderung den Schulen und nicht den Gedenkst\u00e4tten zugutekomme. Au\u00dferdem m\u00fcsse die Vielzahl an Besucherinnen und Besuchern durch entsprechende Kr\u00e4fte betreut werden. Bei steigenden Besuchszahlen verf\u00fcgten die Gedenkst\u00e4tten in Hessen wegen knapper Finanzmittel nicht \u00fcber ausreichendes p\u00e4dagogisches Personal, um diese Aufgabe wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Die Podiumsdiskussion stellte diese und viele andere Herausforderungen im Arbeitsfeld Erinnerungskultur sehr deutlich heraus. Aus dem Publikum wurden au\u00dferdem weitere Leerstellen im Gedenken in das Gespr\u00e4ch eingebracht.<\/p>\n<p><strong>Forschungsl\u00fccken und Demokratiebildung<\/strong><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend versicherten alle Teilnehmenden dem Publikum noch einmal in aller Deutlichkeit, wie wichtig die Arbeit von kleinen, mittleren und gro\u00dfen Gedenkst\u00e4tten sowie ehrenamtlichen Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit sei. Deshalb w\u00fcrde man im Austausch bleiben wollen. Dr. Thomas Lutz schlug konkret eine Anh\u00f6rung der LAG Hessen nach den Landtagswahlen vor, denn Akteure und Landespolitik m\u00fcssten f\u00fcr ein gelingendes Geschichtsbewusstsein zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Wir als Landesarbeitsgemeinschaft m\u00f6chten die auf dem Podium diskutierten Punkte aufnehmen und fordern die Landespolitik auf:<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>F\u00f6rderung einer dezentralen Erinnerungs- und Gedenkkultur<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ein pluralistisches, demokratisches Geschichtsbild bedarf es der Sichtbarmachung der Wirkung der NS-Ideologie in die sogenannte Volksgemeinschaft. Verbrechen wurden nicht nur in den Vernichtungslagern begangen, sondern vor Ort! Zugleich gilt es, die Verbrechen des Nationalsozialismus in ihrer Komplexit\u00e4t aufzuzeigen und nicht auf einzelne Verfolgungskontexte zu verengen.<\/p>\n<p>Um diese Aspekte sichtbar zu machen, ist die Arbeit der lokalen Initiativen ebenso wie der Gedenkst\u00e4tten von Bedeutung. Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsorte sind gleichwertige Partner in der Erinnerungskultur.<\/p>\n<p><strong>Finanzielle Unterst\u00fctzung dauerhaft ausweiten, auch f\u00fcr kleine und mittlere Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen<\/strong><\/p>\n<p>Um die an die Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit gestellten Aufgaben im Rahmen der Demokratiebildung zu erf\u00fcllen, bedarf es finanzieller Mittel, die \u00fcber Projektf\u00f6rderung hinausgehen. Finanzierung muss prozesshaft und damit planbar sein, um unter anderem auch der Digitalisierung Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p><strong>Anh\u00f6rung der LAG Hessen im Landtag<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr eine effektive erinnerungspolitische Strategie in Hessen bedarf es der Einbindung der erinnerungskulturellen Akteure.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>* Erg\u00e4nzend zu oben stehender Erkl\u00e4rung vom 17. Juli 2023 im Folgenden eine Anmerkung von Herrn MdL Dr. Stefan Naas vom 28. Juli 2023 bzgl. seiner \u00c4u\u00dferungen im Rahmen der Podiumsdiskussion:<\/p>\n<p>\u201eIch habe mich nicht f\u00fcr eine Zentralisierung der Gedenkst\u00e4tten in ganz Hessen ausgesprochen. Ich bezog mich auf die Standorte in Tr\u00e4gerschaft des LWV. Hier sollten die vorhandenen Ressourcen nach meiner Auffassung geb\u00fcndelt werden, um eine hochwertige Gedenk- und Vermittlungsarbeit zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernehmen die kleinen und mittelgro\u00dfen Gedenkst\u00e4tten eine unverzichtbare Aufgabe in der hessischen Gedenkst\u00e4ttenlandschaft und sollten ausk\u00f6mmlich gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Insgesamt sollte die Gedenkst\u00e4ttenarbeit in Hessen in eine Gesamtstrategie eingebettet sein, die alle Gedenkst\u00e4tten miteinbezieht und Wege aufzeigt, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p>Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkst\u00e4tten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen<\/p>\n<p>vertreten durch den Sprecher_innenrat:<\/p>\n<p>Thomas Altmeyer, Renate Dreesen, Dr. Ann Katrin D\u00fcben, Dr. Katherine Lukat,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dr. J\u00f6rg Probst, Judith Sucher<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:sprecher_innen@laggih.de\">sprecher_innen@laggih.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Retrospektive zur Podiumsdiskussion \u201eGenug erinnert? 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