{"id":958,"date":"2017-11-23T14:43:48","date_gmt":"2017-11-23T12:43:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=958"},"modified":"2017-11-23T15:29:13","modified_gmt":"2017-11-23T13:29:13","slug":"erinnerungskultur-und-historisch-politische-bildung-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=958","title":{"rendered":"Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkst\u00e4tten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\">Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung st\u00e4rken &#8211; Gedenkst\u00e4tten an den Orten des NS-Terrors fordern gr\u00f6\u00dfere Anstrengun\u00adgen f\u00fcr Aufarbeitung und Vermittlung und ein Ende der Ungleichgewichte<\/h4>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des demokrati\u00adschen Selbstverst\u00e4ndnisses der Bundesrepublik Deutschland. Dieser breite, teilweise in heftigen Konflikten in Politik und Gesellschaft errungene Konsens in der Erinnerungskultur wird gegenw\u00e4rtig vom erstarkenden Rechtspopulismus offen bek\u00e4mpft. Im Mittelpunkt der immer wieder zu leistenden historisch-politischen Selbstvergewisserung stehen die Gedenkst\u00e4tten an den historischen Orten des NS-Terrors. Trotz der Weiter\u00adentwicklung zu aktiven Museen und Lernorten ist ihre Unterst\u00fctzung nicht ausreichend, um den bei stark ge\u00adstiegener Besucherzahlen und sich ver\u00e4ndernden gesellschaftlichen Herausforderungen in den letzten Jahren massiv gewachsenen Aufgaben gerecht werden zu k\u00f6nnen. Die Gedenkst\u00e4tten zur Erinnerung an die NS- Verbrechen fordern daher die Regierungen des Bundes und der L\u00e4nder auf, ihre Anstrengungen im Bereich der Aufarbeitung des Nationalsozialismus deutlich zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more weiterlesen--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Bundesrepublik hat sich durch b\u00fcrgerschaftliches Engagement, den Vereinigungsprozess, Zuwanderungen und internationale Vernetzungen eine pluralistische, in gro\u00dfen Teilen weltoffene Gesellschaft herausgebildet. Dabei ist das Selbstverst\u00e4ndnis der zweiten deutschen Demokratie stark durch den selbstkritischen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gepr\u00e4gt (\u201eEs gibt keine deutsche Identit\u00e4t ohne Auschwitz&#8220;, so Bundes\u00adpr\u00e4sident Joachim Gauck am 27. Januar 2015). Die in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten in einem m\u00fchsamen Pro\u00adzess gesellschaftlicher Verst\u00e4ndigung erstrittene und gefestigte bundesdeutsche Erinnerungskultur wird von dem erstarkenden Rechtspopulismus infrage gestellt. Die Umdeutung von Geschichte ist hierf\u00fcr ein zentrales Instru\u00adment: Wer die Worte von Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker vom 8. Mai 1985 \u00fcber die Befreiung vom Na\u00adtionalsozialismus als \u201eRede gegen das eigene Volk&#8220; brandmarkt, eine erinnerungspolitische Wende fordert und v\u00f6lkische Denkweisen vertritt, der bereitet einem neuen Nationalismus und der Wiederkehr von Leugnung, Auf\u00adrechnung und Relativierung den Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch sind in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung, in Medien und Politik im letzten Jahr die Sorgen gestiegen, die von den aktuellen politischen Konflikten, Kriegen und Terrorismus, von wirtschaftlicher Verunsicherung und globalen Krisen ausgehen. In Zeiten, in denen der Europ\u00e4ischen Union und anderen Staatengemeinschaften nationalstaat\u00adlicher Eigennutz entgegengestellt und Abschottung statt F\u00f6rderung weltweiter Gerechtigkeit propagiert werden, fragen sich viele, ob die gesellschaftliche Verankerung der demokratischen Errungenschaften, die institutionellen Sicherungen des Rechtsstaates und die internationale Friedensordnung stark genug sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gerade jetzt kommt den Gedenkst\u00e4tten zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen, die sich seit den 1980er-Jahren zu wichtigen Lernorten einer demokratischen Gesellschaft und stark besuchten zeit\u00adgeschichtlichen Museen entwickelt haben, eine besondere Verantwortung zu. Verst\u00e4rkt erreichen sie besorgte Anfragen von den hochbetagten \u00dcberlebenden des NS-Terrors und ihren Angeh\u00f6rigen, wie weit die Lehren aus den geschichtlichen Erfahrungen des Nationalsozialismus tragen. An die Gedenkst\u00e4tten werden gro\u00dfe Erwartun\u00adgen herangetragen. Sie sollen im Zuge des Generationenwechsels und des Verlustes der Zeitzeugen die Erinne\u00adrung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, an genozidalen Rassismus und Antisemitismus bewahren. Sie sollen diese Geschichte auch Migrantinnen und Migranten vermitteln und dadurch Beitr\u00e4ge zur Integration und Festigung der demokratischen Wertekultur leisten. Gemeinsam mit anderen Akteuren in der Geschichtsvermitt\u00adlung dienen sie der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, der Demokratieerziehung und der Menschenrechtsbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Koordination und der Debatte um die zuk\u00fcnftige Entwicklung von Erinnerungsorten vor dem Hintergrund der genannten Herausforderungen dient die Bundesweite Gedenkst\u00e4ttenkonferenz. Sie wird gebildet aus der Arbeits\u00adgemeinschaft der KZ-Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland, weiteren Bildungs- und Dokumentations-<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">st\u00e4tten sowie dem FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkst\u00e4tten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland; letzteres vertritt derzeit 264 haupt- und ehrenamtlich betreute Gedenkst\u00e4tten und Erinnerung\u00adsorte. Die Konferenz wird organisiert vom Gedenkst\u00e4ttenreferat der Stiftung Topographie des Terrors.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Gedenkst\u00e4ttenkonferenz hat sich, zuletzt im Dezember 2016 bei ihrer Tagung in K\u00f6ln, f\u00fcr eine dringende Neujustierung der Bundesf\u00f6rderung ausgesprochen. Im Zuge einer Weiterentwicklung der 2008 zuletzt modifi\u00adzierten Gedenkst\u00e4ttenkonzeption des Bundes ist eine Struktur zu schaffen, die auch jenseits der Mitfinanzierung der L\u00e4nder eine Unterst\u00fctzung von Aufarbeitungsinitiativen, Forschungs- und Bildungsprojekten erlaubt, wie dies bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur der Fall ist. Deren breiter gesetzlicher Auftrag macht deutlich, dass hier bislang eine zentrale Leerstelle in der (Bundes-)F\u00f6rderung der Erinnerung an den Nationalso\u00adzialismus und dessen \u201ezweiter Geschichte&#8220; besteht. Die Bundestagsbeschl\u00fcsse der letzten Monate werden hinge\u00adgen die schon l\u00e4nger bestehenden Ungleichgewichte noch weiter verst\u00e4rken. Die Einrichtung eines neuen, mit 30 Millionen Euro ausgestatteten Forschungsverbundes zum Thema SED-Unrecht, f\u00fcr den der Haushaltsausschuss im November 2016 die Voraussetzungen geschaffen hat, muss deshalb um entsprechende Anstrengungen zur F\u00f6rde\u00adrung der NS-Aufarbeitung erg\u00e4nzt werden. Es bedarf einer Stiftung oder eines analogen F\u00f6rderinstruments, das ebenso wie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur auch f\u00fcr den Bereich der NS-Aufarbeitung M\u00f6g\u00adlichkeiten bietet, regelm\u00e4\u00dfig Projekte kleiner wie gro\u00dfer Initiativen, Gedenkst\u00e4tten und weiterer Forschungs- und Bildungseinrichtungen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gem\u00e4\u00df ihrer bildungspolitischen Bedeutung und vor dem Hintergrund wachsender Besucherzahlen stehen die Gedenkst\u00e4tten an den Orten der NS-Verbrechen vor Aufgaben, die \u00fcber die bisherige Erinnerungsarbeit hinaus\u00adgehen. Sie ben\u00f6tigen eine bessere finanzielle und personelle Grundausstattung. Bei einer Neujustierung der Ge\u00addenkst\u00e4ttenkonzeption des Bundes sind folgende Aufgabenbereiche von vorrangiger Bedeutung:<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>Ausbau und St\u00e4rkung gedenkst\u00e4ttenp\u00e4dagogischer Projekte, transgenerationeller und internationaler Begeg\u00adnungsprogramme und zeithistorischer Forschungsvorhaben zur Ereignis- und Rezeptionsgeschichte des jeweili\u00adgen Erinnerungsortes<\/li>\n<li>Inhaltliche und bauliche Anpassungen und \u00dcberarbeitungen von Geb\u00e4uden, Ausstellungen und Bildungskon\u00adzepten<\/li>\n<li>Umsetzung der vielf\u00e4ltigen Aufgaben, die mit der Inklusion und Teilhabe verbunden sind, insbesondere der UN\u00adBehindertenrechtskonvention und des Bundesteilhabegesetzes<\/li>\n<li>Sicherung und Erschlie\u00dfung der Sammlungen und Archive, um den Wissenstransfer f\u00fcr die n\u00e4chsten Generati\u00adonen sicherzustellen<\/li>\n<li>St\u00e4rkung von fachlichem Austausch und Qualifikation der Gedenkst\u00e4tten und ihren Mitarbeiterinnen<\/li>\n<li>Dauerhafte Absicherung und St\u00e4rkung des zun\u00e4chst 1983 von der Aktion S\u00fchnezeichen Friedensdienste einge\u00adrichteten, heute bei der Stiftung Topographie des Terrors angesiedelten Gedenkst\u00e4ttenreferats, das als Koordi\u00adnierungsstelle f\u00fcr Gedenkst\u00e4tten und Gedenkst\u00e4tteninitiativen der bundesweiten Vernetzung und dem inter\u00adnationalen Austausch von Erinnerungsorten dient<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Es gilt, die erfolgreiche Arbeit der dezentralen Gedenkst\u00e4ttenlandschaft in ihrer Kombination aus zivilgesellschaft\u00adlichem Engagement und der Vielfalt der kleinen, mittleren und gro\u00dfen Gedenkst\u00e4tten zu erhalten und zu st\u00e4rken. Dies ist die Voraussetzung, damit sie zeitgem\u00e4\u00dfe Antworten auf die neuen Herausforderungen geben und sich den ver\u00e4ndernden Fragen der nachfolgenden Generationen an den durch die Menschheitsverbrechen des Natio\u00adnalsozialismus bewirkten Zivilisationsbruch so stellen k\u00f6nnen, dass sie mit der Erinnerung an die Opfer des NS- Terrors Impulse zur Gegenwarts- und Zukunftsbew\u00e4ltigung bieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Berlin, den 5. Mai 2017<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland &#8211; Der Sprecher<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkst\u00e4tten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland &#8211; Der Sprecherrat Kontakt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dr. Thomas Lutz, Gedenkst\u00e4ttenreferat<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstra\u00dfe 8, 10963 Berlin Tel.: 030-254509-15; <a href=\"mailto:lutz@topographie.de\">lutz@topographie.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkst\u00e4tten in der Bundesrepublik Deutschland FORUM der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkst\u00e4tten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung st\u00e4rken &#8211; Gedenkst\u00e4tten an den Orten des NS-Terrors fordern gr\u00f6\u00dfere Anstrengun\u00adgen f\u00fcr Aufarbeitung und Vermittlung und ein Ende der Ungleichgewichte Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des demokrati\u00adschen Selbstverst\u00e4ndnisses der &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/?p=958\">[weiterlesen&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":{"0":"entry","1":"post","2":"publish","3":"author-admin","4":"post-958","6":"format-standard","7":"category-aktuelles"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=958"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":972,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/958\/revisions\/972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lag-gedenken-in-hessen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}