Jüdisches Museum in der ehemaligen Rotenburger Mikwe – Erinnerungs- und Begegnungsstätte Rotenburg a. d. Fulda

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Kurzbeschreibung Das Jüdische Museum in der ehemaligen Mikwe wurde am 10. September 2006 unter Beteiligung einer großen Zahl von Nachkommen ehemaliger jüdischer Familien feierlich eingeweiht. Die Restaurierung des Gebäudes erfolgte unter Federführung der Stadt, für die Gestaltung der Dauerausstellung zur lokalen und regionalen jüdischen Geschichte sorgte der Förderkreis Ehemaliges Jüdisches Ritualbad e. V., der die Einrichtung auch betreut. Ein Katalog wird zurzeit erarbeitet. Die Rotenburger Mikwe erhielt 2008 das Signet als besonders schützenswertes Kulturgut nach der Haager Konvention.
Träger /
Initiative
Förderkreis Ehemaliges Ritualbad e. V. (in Verbindung mit der Stadt Rotenburg)
InformationDie Mikwaot

Dort begegnen dem Besucher in dichter räumlicher Nähe zwei zeitlich weit auseinander liegende bauliche Situationen:
• ein Tauchbad für zugeleitetes Wasser aus dem Jahr 1835, das 1925 mit einem gefliesten Badebassin ausgestattet wurde
• ein Grundwasser-Tauchbecken eines jüdischen Ritualbades aus der Mitte des 17. Jahrhunderts in ca. 4 m Tiefe; dieses ist mit einem Schacht verbunden, der dem Kaschern diente, der rituellen Reinigung neuen Geschirrs und der Schächtmesser.

Namen ein Gesicht geben

Auf der Treppe zum Obergeschoss passiert der Besucher eine Porträtgalerie „Namen ein Gesicht geben“ mit über 200 ehemaligen jüdischen Bewohnern Rotenburgs. Eine Gedenktafel enthält 365 Namen von Opfern der Shoah aus der Region.

Dauerausstellung

In der Dauerausstellung im oberen Geschoss erinnern Objekte und Dokumente an 600 Jahre jüdischen Lebens in Rotenburg und Umgebung - unter dem Motto: „Was übrig blieb“.

Die Thorarolle aus der im November 1938 geschändeten und verwüsteten Rotenburger Synagoge ist eines der markantesten Exponate, ebenso ist eine Estherrolle zu sehen und eine Mappa, Julius Blumenbaums Beschneidungstuch von 1901, das danach als Thorawickelband seine Verwendung fand..In einer der eigens für die Ausstellung konzipierten Vitrinen liegt der Judenstern von Ruth Katzenstein-Gützlaff, Tochter des ehemaligen Rotenburger Stadtrats Siegfried Katzenstein – daneben die Totenmaske ihres Onkels Prof. Moritz Katzenstein, des berühmten Chirurgen und besten Freund Einsteins in den 1920er Jahren.

Schicksale emigrierter, deportierter und ermordeter Juden aus dem osthessischen Raum sind über ein Computerterminal zugänglich, ebenso findet man dort Biographien von Persönlichkeiten, die in der Region gelebt und gewirkt haben oder hier aufgewachsen sind.

Topographie des Erinnerns

Zur Topographie des Erinnerns in Rotenburg zählt auch der Jüdische Zentralfriedhof am Hausberg, ebenso die Judaica-Geschichtswerkstatt in der Jakob-Grimm-Schule und ein Stadtrundgang zu den Stätten früheren jüdischen Lebens.

Angebote

Zu den genannten Zielen/Themen bietet der Förderkreis Führungen an, ebenso zu den Stätten jüdischen Lebens in Bad Hersfeld, Bebra und Alheim-Baumbach sowie zu den dortigen jüdischen Friedhöfen. Für Rotenburg und Bad Hersfeld gibt es außerdem geführte Rundgänge zu den 2010 und 2011 verlegten „Stolpersteinen“.
StandortJüdisches Museum in der ehemaligen Mikwe – Erinnerungs- und Begegnungsstätte
Brauhausstraße 2, 36199 Rotenburg an der Fulda
Interneteigene Websites: www.mikwe.de und www.hassia-judaica.de
auf der Website der HLZ
auf der Website www.alemannia-judaica.de
Publikationen
(Auswahl)
• Nuhn, Heinrich: Der jüdische Friedhof in Rotenburg, in: Barbara Händler-Lachmann (Hrsg.): Kultur – Geschichte. Historische Stätten, Denkmäler, vergessene Orte und Museen im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Bad Hersfeld 1995, S. 240-243.
• Ders.: Jiskor - Gedenke. Beiträge zur Geschichte der Rotenburger Juden. 2. erw. Aufl. Rotenburg a. d. F. 1999.
• Ders.: Rotenburg in der Revolution 1848 – Schauplatz antijüdischer Exzesse. Multimedia-DVD (AG Spurensuche Jakob-Grimm-Schule). Rotenburg a. d. F. 1999.
• Ders.: Spuren jüdischen Lebens. Ein Rundgang durch Rotenburg a. d. Fulda. Haigerloch 2001.
• Ders.: Die Rotenburger Mikwe. Kulturdenkmal und Zeugnis der Vielfalt jüdischen Lebens (Hassia Judaica). Rotenburg a. d. F. 2006.
• Ders.: Spurenlos? 600 Jahre jüdisches Kleinstadt- und Landleben in (Wald-)Hessen. Lokale Spuren im Raum Bad Hersfeld – Rotenburg an der Fulda. Multimedia-DVD (AG Spurensuche Jakob-Grimm-Schule). Rotenburg a. d. F. 2008.
• Ders.: Jüdisches Leben in Baumbach. Ein virtueller Rundgang. Multimedia-DVD (AG Spurensuche Jakob-Grimm-Schule) 2. Aufl. Rotenburg a. d. F. 2008
• Ders.: Vor aller Augen in Bebra und Umgebung. Multimedia-DVD (Hassia Judaica). Rotenburg a. d. F. 2009.
• Ders: Stolpersteine für Rosa Hahn und 14 weitere Hersfelder Opfer des Holocaust (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit). Bad Hersfeld 2010.
• Ders: Jüdische Schüler der Hersfelder Alten Klosterschule 1809 bis 1937. Multimedia-DVD (Konrad-Duden-Schule). Bad Hersfeld 2010.
• Ders.: In Memoriam. 28 Hersfelder Opfer des Holocaust (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit). Bad Hersfeld 2011.
• Ders.: In Memoriam. 43 Rotenburger Opfer des Holocaust (Hassia Judaica). Rotenburg a. d. F. 2011.
• Ders.: Spurensuche und Erinnerungsarbeit vor Ort – das Beispiel Rotenburg an der Fulda, in: Andreas Hedwig, Reinhard Neebe u. Annegret Wenz-Haubfleisch (Hrsg.): Die Verfolgung der Juden während der NS-Zeit. Stand und Perspektiven der Dokumentation, der Vermittlung und der Erinnerung. Marburg 2011, S. 135-145.